Auf PMC kann ich mich verlassen“: Studiodesigner Jochen Veith im Interview

Einige der renommiertesten Studios der Welt haben etwas gemeinsam: Sie wurden von Jochen Veith konzipiert und gebaut. Der Studiodesigner aus der Nähe von München hat beispielsweise die Wisseloord Studios in den Niederlanden und die 301 Studios in Australien gestaltet – Namen, die echte Qualität versprechen. Ist vielleicht gar Jochen Veith das Geheimnis hinter dem großartigen Klang der Produktionen aus diesen Studios?

Der Studiodesigner selbst würde diese Frage sicherlich lachend mit „Nein“ beantworten. Jochen Veith macht einen bescheidenen Eindruck, er ist dankbar. Dankbar für die Möglichkeit, einen Beruf auszuüben, der ihm Freude macht. Dankbar für die spannenden Geschichten seiner Projekte, die ihn um die Welt führen. Dankbar auch für seinen Status: Jochen Veith muss sich keine Kunden suchen, die Kunden suchen ihn. Und der Akustikspezialist weiß das zu schätzen.

Die Bezeichnung „Akustikspezialist“ trifft es indes nur teilweise, Veith ist sehr viel mehr als das. Bei seinen Projekten kümmert er sich nicht nur um Raum- und Bauakustik, sondern auch um Schwingungsisolierung, Ergonomie und Statik, elektromagnetische Interferenzen und Klimatechnik. Ein hervorragend klingender Raum ist schließlich nur wenig erfolgversprechend, wenn er nur 20 Minuten am Stück genutzt werden kann, bevor er überhitzt, oder wenn ungünstig gelegene Stromleitungen in die Tonabnehmer der Instrumente einstreuen. Alle diese Kompetenzen hat Jochen Veith sich im Zuge seiner über 30-jährigen Erfahrung erarbeitet. Kein Wunder, dass er noch heute das beständige Lernen als elementar betrachtet.

Wie bist du zur Akustik gekommen?

Jochen Veith: Man könnte drüberschreiben: aus Unzufriedenheit und Neugierde. Ich komme eigentlich aus dem technischen Bereich, habe früher sehr viel Musik gemacht und hatte immer Frust mit Auftritten, wo der Sound nicht so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein entscheidendes Erlebnis war als ich hier in Riem bei einem Open Air Supertramp gesehen habe. Der Sound hat mich umgehauen! Ich stand einfach nur da und habe gestaunt. Ab dann wusste ich: Es geht, man muss nur wissen wie! Die hatten zum Beispiel die Bühne an einer anderen Stelle aufgestellt. Damals habe ich beschlossen, dass ich nicht nur Musik mag, sondern in dieser Richtung viel mehr wissen möchte. Also habe ich den Weg in Richtung Toningenieur eingeschlagen.

Vom Toningenieur zum Studiodesigner ist es aber auch noch ein Stück.

Jochen Veith: Es kam wieder zu Unzufriedenheit in nahezu jedem Studio, in das ich gekommen bin. Wir haben immer auf den kleinen NS-10 oder Auratones abgehört. Mich hat das so enttäuscht, weil ich wusste, dass die großen Systeme viel besser performen müssten. Die sollten eigentlich viel mehr Möglichkeiten bieten. Also habe ich mich damit beschäftigt. Zusammen mit einem Kompagnon habe ich mich irgendwann dazu entschlossen, ein spezielles Messgerät zu kaufen, das damals einen ganz neuen Blick eröffnet hat auf das, was da in der Akustik passiert – also weg vom Pegelschreiber.

Das klingt teuer.

Jochen Veith: Das hat damals ein Vermögen gekostet! Wir haben uns weit aus dem Fenster gelehnt in unseren jungen Jahren. Für das Geld hätten wir auch einen Mittelklasse-Wagen gekriegt. Außerdem konnte uns dann in Deutschland auch schnell niemand mehr helfen mit der Interpretation und der ganzen Mathematik. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet und gelernt und uns weitergebildet. Wir fingen an, Studios zu reparieren und zu verbessern, auf der Planungsseite und mit Messungen. Irgendwann kam der erste auf die Idee, uns einen Studiokomplex bauen zu lassen. Wir haben abgelehnt und gesagt, dass wir das nicht können. Aber die kamen immer wieder. „Ihr seid die einzigen, denen wir das zutrauen und wir wollen, dass ihr das macht.“ Schließlich haben wir uns breitschlagen lassen.

Wie ist es geworden?

Jochen Veith: Das ist richtig gut geworden. Daraufhin kam gleich eine weitere Firma, die hatten einen Regieraum, der überhaupt nicht funktioniert hat. Den Pitch haben wir gewonnen. Das wurde dann eine richtig schöne Regie. Dann kam der nächste große Schritt: Wir bekamen ein sehr großes Projekt in Österreich. Ein wirklich großes Projekt – es ging darum, zusammen mit einem Architekten ein komplett neues Gebäude zu bauen, mit allem Drum und Dran.

Das ist ein großer Sprung!

Jochen Veith: Es klingt jetzt im Nachhinein so einfach, aber das war unglaublich viel Arbeit. Das ist es irgendwie immer. Ich sage immer, ich könnte schon lange in Rente sein, wenn man die Arbeitsstunden rechnet. (lacht) Einsatz spielt eine wichtige Rolle, Arbeit und Zeit und Lernen. Lernen, lernen, lernen. Das ist heute noch so, du kannst nicht stehen bleiben, sondern musst dich immer wieder weiterbilden. So ging es also ursprünglich mal los bei mir: aus der Unzufriedenheit heraus und aus der Neugierde heraus – das muss doch besser gehen! (lacht) Vor vier Jahren habe ich mal darüber nachgedacht, in wie viele Räume ich involviert war – damals kam ich auf über 1.500 Räume!

Über 1.500 Räume, in denen ganz unterschiedlicher Sound produziert wird. Spielt es für dich eine Rolle, was für eine Art Sound in

einem Studio produziert werden soll?

Jochen Veith: Solche Dinge kläre ich immer in einem Vorgespräch. Da sind ja ganz viele Aspekte wichtig: Was soll in dem Studio oder in dem Raum gemacht werden? Worauf legt der Kunde Wert? Geht es um Stereo oder Mehrkanalton? Was für Lautsprecher ist die betreffende Person gewöhnt? Alle diese Punkte berücksichtige ich in der Planung für Bau- und Raumakustik.

Die Lautsprecher sind für dich also ganz grundlegend Teil des Konzepts?

Jochen Veith: Auf jeden Fall! Die müssen bereits bei der Planung mitgedacht werden. Es gibt Beispiele, wo Leute den Lautsprecher getauscht haben und der Raum hinterher nicht mehr funktioniert hat. Die erste Frage ist natürlich: Baue ich die Lautsprecher ein oder stehen sie frei? Der einzige echte Nachteil an einem eingebauten System ist, dass ich nicht ohne Weiteres Änderungen vornehmen kann – und wenn man dabei etwas falsch macht, lässt sich das nicht mal eben wieder ändern. Diese Lautsprecher sind da, wo sie sind. Punkt. Wenn ich dann den Lautsprecher austauschen muss, geht das auch nicht so einfach, schon alleine geometrisch. Stimmt die Form? Wo sitzt überhaupt das akustische Zentrum? Wo sitzt der Tieftöner? Wenn sich die Position verändert, ändert sich dadurch auch das Verhalten.

Inwiefern?

Jochen Veith: Das tieffrequente Verhalten im Raum verändert sich. Da muss man unter Umständen bei einem Lautsprecherwechsel die ganze Front überdenken. Bei einer Einbau-Lösung muss man sich klar darüber sein: Ja, ich will diesen Lautsprecher und ich bleibe für die nächsten Jahre dabei.

Das ist bei einem freistehenden Lautsprecher natürlich einfacher.

Jochen Veith: Auch da gilt: Man sollte sich sicher sein. Ein Standlautsprecher hat seine Tieftöner und den Bassreflex an ganz bestimmten Positionen. Dann weiß ich, wo dieser Lautsprecher als Quelle auftritt, wo seine Hauptachsen sind. Wenn man die Lautsprecher wechselt, verändert sich eventuell alles: Der Bassreflex geht vielleicht nach hinten, oder der Tieftöner strahlt nach unten ab. Die ganze Abstrahlcharakteristik ändert sich, und damit auch das Verhalten im Raum. Vielleicht brauchen die neuen Lautsprecher auch einen anderen Abstand vom Abhörplatz, auch das hat eventuell Auswirkungen auf die Übertragungsfunktion. Ich muss den Lautsprecher also schon klar in die Planung einbeziehen. Wie arbeitet das Tieftonsystem mit dem Raum zusammen? Wie strahlt der Lautsprecher ab? Habe ich einen Softdome-Tweeter oder ein Horn? Oder ein Bändchen oder Elektrostaten? Das ist alles wichtig.

Du verwendest in deinen Projekten sehr oft Lautsprecher von PMC.

Jochen Veith: Das stimmt. Ich bin nicht mit PMC verheiratet, viele Projekte mache ich auch mit anderen Lautsprechern. Aber es ist schon richtig, dass ich sehr oft PMC einsetze, auf der ganzen Welt. Ich habe nun auch inzwischen 17 Jahre Erfahrung mit diesen Systemen, da gibt es also durchaus eine lange Verbundenheit. Dadurch kenne ich die Lautsprecher eben auch sehr gut. Ich komme gut mit ihnen zurecht und kann mich auf sie verlassen.

Wann wird das besonders wichtig?

Jochen Veith: Wenn am Ende eines Projekts etwas nicht stimmt, kann niemand mehr genau sagen, ob der Raum nicht funktioniert oder der Lautsprecher oder beides. Dann ist es natürlich hilfreich, wenn ich mich auf den Lautsprecher verlassen kann. Da fühle ich mich sicher und vermeide Diskussionen. Gerade in den USA wird in neuen Studios sehr oft PMC eingesetzt. Außerdem wird ab einer bestimmten Größenordnung die Luft auch recht dünn, da gibt es dann nicht mehr so viel Auswahl.

Was ist sonst noch entscheidend bei einem Lautsprecher?

Jochen Veith: Im Prinzip geht es vor allem darum, dass der Toningenieur so einfach und so schnell wie möglich zu einem sehr guten Ergebnis kommt. Ich weiß noch, wie ich mich damals immer gefragt habe, ob das denn stimmt, was ich da höre. Dann wurde verglichen: mal auf den kleinen Lautsprechern, dann auf den ganz kleinen, auf den mittleren, auf den großen. Was ist denn jetzt die Wahrheit? Oder noch schlimmer: Ich renne mit dem Mix raus und höre ihn mir im Auto an. Bei der Arbeit mit den Lautsprechern soll man einfach machen können. Die Arbeit sollte leicht fallen, man darf nicht weiter darüber nachdenken müssen, sondern einfach mischen können. Das ist mir das Wichtigste.

Nur wer hört, was er tut, kann wissen, was er tut.

Jochen Veith: Das erinnert mich an eine Geschichte. Da kommt jemand zurück aus den Staaten in eine neue Regie, die wir gerade gebaut hatten und auf die wir sehr stolz waren. Er machte dann eine Aufnahme mit den Puhdys. Irgendwann kriegen wir einen Anruf: „Katastrophe! Nichts funktioniert! Die Regie funktioniert nicht!“ Ich dachte nur, das kann doch nicht sein! Wir haben vor zwei Tagen alles überprüft und waren superzufrieden! Ich bin hingefahren, habe mich mit reingesetzt und mich nur gefragt, was der da macht. Das hat im Bass gedröhnt und in den Höhen wehgetan. Als ich ihn darauf hingewiesen habe, meint er: „Das muss so sein, sonst klingt es draußen nicht!“ Also habe ich ihn gebeten, dass er doch so mischen soll, dass es für ihn gut klingt in der Regie. So, wie er meint, dass es sich anhören sollte. Und das war’s. Keine Beschwerden mehr. (lacht)

Wie es sein sollte.

Jochen Veith: Das meine ich. Ich will nicht um die Umstände herumarbeiten, weil ich irgendwas nicht hören kann und dann versuche zu raten. Ich will die Lautsprecher eigentlich vergessen und einfach machen. Und genau das funktioniert mit PMC wunderbar. Da hatte ich nie Probleme, das lief immer gut. Darauf kann ich mich verlassen.

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